Wieder fragilere Aktienmärkte

Anlagepolitik, Mai 2022

Wieder fragilere Aktienmärkte

Die geopolitischen Unsicherheiten dürften selbst bei Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine nicht verschwinden. Inzwischen nimmt das globale Wirtschaftswachstum ab, und die historisch hohe Inflation zwingt die amerikanische Zentralbank (Fed) zu einer restriktiveren Geldpolitik. In dieser Phase ist eine gute Diversifikation für Portfolios von Bedeutung. Wir bleiben bei der Übergewichtung von Schweizer Aktien im globalen Ländermix, da diese weniger konjunkturabhängig sind. Zudem ist die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit weniger Inflation konfrontiert als andere Zentralbanken. Aktien der Eurozone erscheinen derzeit wieder verwundbarer.

Die bereits sich abzeichnenden Resultate der russischen Invasion der Ukraine sind global sowohl eine höhere Inflation als auch ein geringeres Wirtschaftswachstum. Die höhere Inflation stellt für amerikanische Anlagen ein Risiko dar, weil die US-Zentralbank Fed dadurch noch restriktiver bzw. mehr Zinserhöhungen signalisieren wird. Geringeres Wirtschaftswachstum ist hingegen für europäische, konjunktursensitive Anlagen ein Risiko, dies aufgrund der deutlich höheren Abhängigkeit von russischen Energierohstoffen. Will heissen, dass höhere Gaspreise sich besonders auf von russischem Gas abhängige Länder wie Deutschland und Italien auswirken, geringer aber auf die Schweiz. Hier dominieren weniger konjunktursensitive Branchen in der Index-Gewichtung, zudem stehen andere Energiequellen zur Verfügung. Solange in den USA die Ölproduktion nicht wieder auf das Vor-Corona- Niveau von rund 13 Mio. Fass pro Tag erhöht wird, ist auch das US-Wirtschaftswachstum negativ betroffen, da der sonst übliche positive Einfluss einer steigenden USÖlproduktion praktisch ausbleibt. Was die Konjunktur in beiden Regionen zurzeit noch stützt, sind die in der Pandemie angehäuften Zusatzersparnisse. Es ist allerdings nicht sicher, ob diese für Konsum in den kommenden Monaten ausgegeben werden. Dies hängt vor allem von der Stimmungslage der Verbraucher ab.

Aktien

Die Aktienmärkte erholten sich nach der ersten Korrektur aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine. Dies steht wohl in Zusammenhang mit dem bisher geringfügigen militärischen Erfolg der russischen Armee. Fundamental manifestiert sich die Aktienerholung vor allem in einer wieder angestiegenen Bewertung im Kurs-/Gewinn- Verhältnis und in anderen wichtigen Bewertungskriterien. Der amerikanische Aktienmarkt zeigt weiterhin eine im historischen Vergleich überdurchschnittliche Bewertung – sowohl gegenüber europäischen Ländern wie auch gegenüber dem Weltaktien-Index. In einem Umfeld von sich wieder abschwächendem globalen Wirtschaftswachstum können weniger konjunkturabhängige Aktienanlagen sich besser entwickeln als Branchen und Länder mit stark zyklischem Charakter. Wir fokussieren daher sowohl auf defensive Aktien, die bekanntlich im Schweizer Aktienindex dominieren, als auch auf Qualitätsaktien mit stabileren Geschäftsmodellen in allen Ländern. In Zeiten steigender Zinsen ist ebenso auf eine geringe Verschuldung der Unternehmen zu achten, da sich die Finanzierungskosten sonst markant erhöhen und die Gewinnmargen gefährden können. Der Schweizer Aktienmarkt zeigt im internationalen Vergleich eine geringe Verschuldung. Die Aktien der Eurozone hingegen erscheinen verwundbarer, da die Energieabhängigkeit von Russland hoch ist und das Wirtschaftswachstum im globalen Vergleich mehr unter Druck gerät.

Ein solider Schweizer Franken sollte aufgrund der Konjunkturstärke der Schweiz nicht überraschen.

Gérard Piasko, Chief Investment Officer


Obligationen

Grundsätzlich möchte die Europäische Zentralbank (EZB) eine Normalisierung der Geldpolitik beginnen. Konkret bedeutet dies, die Anleihenskäufe des APP-Programms (eine Form des Quantitativen Easing) spätestens im dritten Quartal vollständig zu beenden und darauffolgend die Leitzinsen zu erhöhen. Allerdings hat die EZB-Präsidentin Christine Lagarde mehrmals deutlich gemacht, dass die Anlagepolitik, Mai 2022 Wieder fragilere Aktienmärkte EZB datenabhängig vorgehen wird. Will heissen, dass im Falle einer Abschwächung der EU-Konjunktur die restriktivere geldpolitische Änderung hinausgeschoben werden kann. Darum könnten die Obligationenrenditen nach dem klaren Anstieg des ersten Quartals je nach Konjunkturdaten auch seitwärts tendieren, bevor ein weiterer, von den US-Zinserhöhungen ausgelöster nächster Renditeanstieg eintrifft. Anleihen sollten im Anlagemix weiter untergewichtet bleiben. Im Kreditbereich zeigen sich als Folge des Ukraine-Krieges im Vergleich zum Jahresbeginn inzwischen interessantere Zusatzrenditen bei Unternehmensanleihen. Aus Risikoüberlegungen sind dabei aber jene mit «Investment Grade»-Kreditrating gegenüber den «High Yield»-Anleihen («Junk Bonds») vorzuziehen, solange sich das globale Wirtschaftswachstum abschwächt.

Währungen

Der Schweizer Franken hat seit dem Ausbruch des Ukrainekrieges wieder seine Funktion als Zufluchtsort («Safe Haven») im Vergleich mit anderen Währungen gezeigt. Die SNB scheint über die Frankenstärke nicht besorgt. Sie verweist auf die in der Schweiz klar tiefere Inflation im Vergleich zu anderen Ländern als Erklärung für den gesuchten Schweizer Franken. Eine Währung ist generell ein Spiegel der Wirtschaftsstärke eines Landes. Daher sollte ein starker Schweizer Franken im Lichte der stärkeren Konjunktur der Schweiz als in anderen europäischen Ländern nicht überraschen.

Rohstoffe

Die Schwankungen bei Rohstoffen sind grundsätzlich historisch höher als in anderen Anlageklassen. Zurzeit dürften die Schwankungen aufgrund des Krieges in der Ukraine besonders hoch bleiben, vor allem bei Energierohstoffen. Mittel- bis langfristig wird für Öl wichtig, ob die aktuell im historischen Vergleich hohen Preise zu einer Ausweitung der Ölförderung in den USA oder den arabischen Ländern führen wird. Amerikanische Ölfirmen haben in den letzten Jahren wenig in neue Ölförderung investiert und höhere Dividenden-Ausschüttungen an ihre Aktionäre präferiert. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate wollen ihre Produktion nicht zusätzlich ausweiten, solange nicht klar ist, wie sich die USA gegenüber dem Iran, ihrem regionalen politischen Gegner, verhalten werden. Daher ist gerade im Ölpreis mit besonders hoher Volatilität zu rechnen.

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als Chief Investment Officer das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre Chief Investment Officer bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

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Redaktionsschluss: 12. April 2022

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