Page 4 - Maerki Baumann & Co. AG | Journal 02-2021
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Ende September diesen Jahres war es so weit: Das neue Instrument, das erhaben über dem Podium thront, wurde mit einem grossen Orchesterkonzert und einer «Nacht der Orgel» feierlich eingeweiht.
Äusserlich ähnelt das Instrument mit seinem historisierenden Gehäuse der Vorgängerin und passt damit ins Konzept der Renovation, die den Saal wieder in seiner ursprünglichen Pracht von
1895 erstrahlen lässt. Das Innenleben ist ganz auf der Höhe der Zeit: Dank modernster Technik ist die neue Orgel einfacher zu bespielen und zu unterhalten als das frühere Instrument. Wer sich in die Register vertieft, entdeckt Finessen wie eine Nasenflöte oder die Flauto Turicensis, eine eigens entwickelte Neuheit des Orgelbauers Kuhn aus dem zürcherischen Männedorf. Das 25 Tonnen schwere Instrument wurde vollständig in der Schweiz und in Handarbeit gefertigt.
«Die Orgel ist die Königin aller Instrumente.»
Die Orgel ist in Dimension und Disposition der Register auf den Saal und die Begleitung eines symphonischen Orchesters sowie als Soloinstrument ausgelegt. «Es ist ein wunder- bares Instrument. Wir setzen alles daran, dass es so oft als möglich bespielt wird», sagt Ton- halle-Intendantin Ilona Schmiel. Im Gegensatz
Hans G. Syz-Witmer und Ilona Schmiel anlässlich der Einweihung der Orgel am 23. September 2021 in der Tonhalle Zürich (Foto: Gaetan Bally)
Einblick in die Orgel der Tonhalle Zürich (Foto: Michael Reinhard)
zu einstimmigen Instrumenten bietet die Orgel eine Fülle an Klängen und deckt vom zartesten Pianissimo bis zum tosenden Fortissimo das ganze Tonspektrum ab.
Lange Zeit galten Orgeln als verstaubt und wurden primär als Kirchen- und weniger als Konzertinstrumente wahrgenommen. Heute ge- hen immer mehr Organistinnen und Organisten aus den Kirchen hinaus und in die Konzertsäle hinein. Sie bescheren so dem Instrument eine Renaissance. «Die Orgel ist die Königin aller Instrumente», sagt Hans G. Syz-Witmer, der es mag, auf der Orgel die ganze Musikgeschichte von Klassik über Jazz bis zu Pop und Filmmusik zu hören.
Der Bau neuer Konzertsaalorgeln wie in der Zürcher Tonhalle ist auch als Bekenntnis der Musikwelt zum Instrument zu sehen. Von der neuen Orgel angetan sind inzwischen selbst die Verfechter des alten Instruments, die sich nicht gegen die Argumente eines Neubaus durchset- zen konnten. Für die alte Orgel konnte ein neuer Platz gefunden werden – sie steht jetzt in einer Kathedrale im slowenischen Koper. Das Engage- ment von Hans G. Syz-Witmer hat sich rundum gelohnt – heute wird aus dem Genuss kein Ver- druss mehr. «Vor der Renovation der Tonhalle wollten einige die alte Orgel behalten», sagt er, «umso schöner ist es, dass jetzt alle happy sind».
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