Zweigeteilte Weltwirtschaft

Anlagepolitik, Oktober 2019

Zweigeteilte Weltwirtschaft

Die Finanzmärkte bleiben im Spannungsfeld von Entwicklungen im Handelskonflikt zwischen den USA und China und geopolitischen Unsicherheiten sowohl um «Brexit» als auch im Nahen Osten mit Fokus auf den Iran. In Phasen von US-Zinskurven-Inversionen und Unsicherheiten hat sich historisch eine ausgewogene Anlageklassen-Aufteilung bewährt. Angesichts der zweigeteilten Weltwirtschaft – recht robuste Konsum- und Dienstleistungsaktivität, jedoch unterdurchschnittliche Industrieproduktion – und der weitergehenden globalen Zinssenkungen erscheint eine ausgewogenere Asset Allokation mit reduziertem Cash-Anteil zurzeit angebracht.

Die gegenwärtige Situation der Weltwirtschaft erscheint nicht einheitlich. Man kann eher vor einer zweigeteilten Weltwirtschaft sprechen. Auf der einen Seite sehen wir den seit Monaten bekannten (und daher von den Märkten mehrheitlich eingepreisten) schwachen Zustand der globalen Industrieaktivität. Dieser ist zurückzuführen auf die Unsicherheiten im Handelskonflikt sowie wegen des Handelsrückgangs aufgeschobener Produktions- und Investitionstätigkeit. Sollte sich bei den US-chinesischen Handelsgesprächen im Oktober Fortschritte zeigen, könnte es zu einer gewissen Industriekonjunkturerholung durch wieder verbesserte Industriegeschäftsstimmung kommen. Auf der anderen Seite bleibt der wichtigere Teil der Wirtschaft, Konsum und Dienstleistungen, global recht robust. Dies ist in steigenden inflationsbereinigten Haushalteinkommen der global wirtschaftlich wichtigsten Länder zurückzuführen. Höhere Realeinkommen wiederum werden durch eine Kombination aus sinkender Inflation (was die Kaufkraft erhöht) und historisch tiefer Arbeitslosigkeit verursacht. Weil die recht robusten Sektoren Konsum und Dienstleistungen klar über 50% der weltwirtschaftlichen Aktivität ausmachen, wird die Rezessionssignalkraft der Zinsinversion zurzeit nicht unerheblich relativiert. 

Aktien
Die Aktienmärkte haben seit unserer Erhöhung der Aktienquote im August deutlich zugelegt. Wenn man die vergangenen US-Zinskurveninversionen untersucht, sieht man, dass Aktien in den Monaten nach Beginn der Inversion nicht schlecht abgeschnitten haben. Die Aktienerträge inklusive Dividenden konnten mit anderen Anlageklassen mehr als mithalten. Am wichtigsten aber war es, diversifiziert über alle wichtigen Anlageklassen, Aktien, Rohstoffe und Anleihen, investiert zu sein. 

Daher ist es zurzeit sinnvoll balancierter zu sein, also ausgewogener in der Aufstellung der Anlagen – dies gilt gerade in der zweigeteilten Weltwirtschaft, wie oben beschrieben. Besonders, wenn die Geldmarktanlagen immer negativer werden – was durch die Zinssenkungen der meisten globalen Zentralbanken derzeit forciert wird, sollte man stärker zulasten Cash investiert sein. Dennoch ist aber weiterhin in dieser Konjunkturphase auf fundamentale Qualität zu achten, d.h. Firmen mit guter Profitabilität, soliden Bilanzen und überdurchschnittlicher Marktstellung sind besonders zu berücksichtigen. Diese finden sich nicht nur in konjunkturunabhängigen Branchen, sondern auch in konjunktursensitiveren Sektoren und in allen Regionen. 

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Eine ausgewogenere Anlagepolitik ist angesichts globaler Zinssenkungen angebracht.

Gérard Piasko, Chief Investment Officer 

Obligationen
Die Obligationenmärkte hatten offenbar viel der Zentralbank-Zinssenkungen bereits antizipiert. Daher kam es nach den historischen Rekorden im deutschen und schweizerischen sowie (am langen Ende) amerikanischen Anleihenmarkt nach den Zinssenkungen der EZB und der US-Zentralbank zu Gewinnmitnahmen. Wie weit diese Obligationenkorrektur geht, hängt von vielen Faktoren ab. Die Stärke neuer Konjunkturdaten gehört zu diesen Faktoren, aber auch die Inflationsentwicklung sowie deren Erwartungen in den Märkten. Generell sind wir der Ansicht, dass auch ein gewisses Engagement in den Anleihen mit Fokus auf qualitativ höherwertige Unternehmensobligationen in der aktuellen Phase des Konjunkturzyklus angebracht ist. Die neue Runde globaler Zinssenkungen unterstützt Obligationen nun generell, eine Tendenz, die während einiger Quartale fehlte. Es kann daher sinnvoll sein, eine temporäre Korrektur der Preistendenzen in den Anleihenmärkten für eine wieder etwas höhere Positionierung in qualitativ guten Anlagen zu nutzen.

Währungen
Wir gehen davon aus, dass der US-Dollar zwar volatiler wird, jedoch mehr Kapitalflüsse als der Euro anziehen wird, solange die US-Wirtschaft im Wachstum stärker bleibt als die Konjunktur der Eurozone. Schlagzeilen betreffend den nächsten, wie immer völlig unberechenbaren, Schritten im „Brexit-Theater“ (das wahrlich kein Shakespeare-Stück ist) bestimmen vielleicht die kurzfristige Richtung des Euro, doch mittelfristig sind Konjunktur- und Rendite-Differenzen wichtiger. Diese bleiben Argumente für eine Untergewichtung des Euro gegenüber dem US-Dollar und dem Schweizer Franken. Auch gehen wir davon aus, dass die US-Zinsen höher bleiben als Zinsen in Euro oder Franken. Die Schwellenländerwährungen sind weiterhin hauptsächlich abhängig von der Entwicklung des Yuan, d.h. eigentlich der chinesischen Regierung. Daher muss davon ausgegangen werden, dass die Schwellenländerwährungen kurzfristig relativ hohen Schwankungen ausgesetzt sind.

Rohstoffe
Mit dem extrem starken Preisanstieg in den Anleihenmärkten im August bzw. rekordtiefen Obligationenrenditen kam es zu einem überraschend starken Goldanstieg. Dies darum, weil die Opportunitätskosten Gold zu halten, unvermittelt rasch sanken. Diese extreme Preisbewegung sollte einer Konsolidierung Platz machen, weshalb wir derzeit gegenüber Gold neutral sind. Dennoch gehört Gold wie andere Rohstoffe als Diversifikation in ein ausgewogenes Portfolio, besonders in einer Zeit hoher geopolitischer Risiken. Letztere haben im Nahen Osten mit dem Angriff iranisch unterstützter jemenitischer Rebellen auf saudische Ölinstallationen zugenommen. Das bedeutet, dass im Ölpreis eine höhere geopolitische Risikoprämie eingebaut werden muss, um der gefährlicheren politischen Entwicklung im Nahen Osten Rechnung zu tragen. Die dürfte Öl und andere Energierohstoffe nach deren Sommerkorrektur wieder unterstützen.
 

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

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Redaktionsschluss: 26. September 2019

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