US-Aktien fundamental unterstützt

Anlagepolitik, August 2018

US-Aktien fundamental unterstützt

Die Sommermonate sind traditionell von weniger Volumen in den Finanzmärkten und weniger Aktivität in der Industrie und anderen Wirtschaftssektoren geprägt. Daher kann es zu mitunter erratischen Bewegungen kommen. Da zudem die Volatilität in vielen Märkten zurückgegangen ist, könnte sie (in beide Richtungen) steigen, besonders in Aktien- und Währungsmärkten. Wir erhöhen US-Aktien im Aktien-Mix aufgrund des sehr guten Gewinn- und Wirtschaftswachstums, möglicher weiterer Kapitalflüsse in US-Märkte und zur besseren Diversifikation. Aktien bleiben neutral gewichtet.

Derzeit bleibt die Weltwirtschaft trotz Handelsstreit robust, wobei die USA hauptsächlich für die Stärke verantwortlich sind. Das US-Bruttoinlandprodukt hat vom ersten zum zweiten Quartal zugelegt und auch in den ersten Wirtschaftszahlen des dritten Quartals hat die US-Konjunkturstärke angehalten. China, die global zweitgrösste Volkswirtschaft und grösstes Gewicht im Schwellenländer-Aktienindex, wächst nominell noch stärker. Abhängig vom weiteren Verlauf des Handelskonflikts, der derzeit die Finanzmärkte im Banne hält, ist es möglich, dass das Wachstum Chinas etwas weniger Momentum zeigt. In diesem Fall wäre mit monetärer Stützung durch China zu rechnen. Derzeit bleibt das Wirtschaftswachstum der Schwellenländer expansiv, etwas weniger ausgeprägt auch das der Eurozone. Der seit März tiefere handelsgewichtete Euro könnte die europäische Konjunktur via Exporte wieder verbessern, ausser der Handelskonflikt eskaliert. Erste Stabilisierungsanzeichen gibt aus der deutschen Industrie. Allerdings muss den Konjunkturdaten der Sommermonate wegen der Ferienzeit immer mit einer gesunden Portion Skepsis begegnet werden.  Oft – wie auch in den Aktienmärkten – ist die Aktivität geringer und daher nicht so repräsentativ für den ganzen Jahresverlauf wie andere Monate. 

Aktien
Die Aktienmärkte konnten in den letzten Wochen eine Erholung verzeichnen, angetrieben von sehr starken Wirtschaftszahlen aus den USA, die auf mehr Gewinnwachstum deuten. Auch die europäischen Aktien profitierten, da sich auch in Deutschland und anderen Ländern der Eurozone die Daten aus der Wirtschaft stabilisierten. Dennoch würde es im Falle eines noch weiter eskalierenden Handelskonfliktes nicht überraschen, wenn die exportorientierten Aktienregionen, also Europa und die Schwellenländer, nochmals von einigen Marktteilnehmern verkauft werden könnten. Denn gerade US-Investoren sehen ihren Aktienmarkt als weniger anfällig betreffend Handelsstreit-Eskalation an. In der Bewertung sind Schwellenländer in der relativen Bewertung interessanter als Aktien der Eurozone. Gewinnseitig werden die USA zusätzlich durch die Steuersenkungen im Konsum und für Unternehmen unterstützt. Der US-Aktienmarkt könnte bei einem weiter zunehmenden Handelsstreit daher gegenüber Aktien des übrigen Europa und der Schwellenländer, aber auch gegenüber Goldminenaktien zulegen, besonders wenn die Kapitalflüsse in Richtung US$ gehen. 

Für US-Aktien sprechen folgende Gründe. 1. Die Bewertung im Kurs-/Gewinn-Verhältnis ist im Vergleich zum Jahresbeginn inzwischen über 10 % günstiger geworden. 2. Der US-Aktienmarkt hat eine breite Branchen-Diversifikation, was in schwierigen Marktphasen wichtig ist. 3. US-Aktien zeigen klar das beste Gewinnwachstum aller Regionen. 4. Kapitalflüsse könnten US-Anlagen und eventuell US$ weiter begünstigen, solange der Handelskonflikt nicht gelöst ist. 5. US-Aktien haben, gemessen am S&P 500 Index, den mehrmonatigen Widerstand von 2800 nun überwunden, was charttechnisch Luft nach oben gibt, zumal sich ein neuer Aufwärtstrend herausgebildet hat.

Obligationen
Die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer sind in den letzten Wochen etwas zurückgegangen, was die Renditen der Regierungsobligationen in den USA und Europa wieder reduziert hat. Dies spiegelt eine Markterwartung tieferen Wirtschaftswachstums. Doch der Trend der Inflation zeigt nach oben und höhere Strafzölle aufgrund des Handelskonfliktes deuten auf ansteigende Importpreise, was die Inflation zusätzlich erhöhen kann. Es wäre keine Überraschung, wenn die Renditen von deutschen, amerikanischen und schweizerischen Staatsanleihen in den nächsten Monaten wieder anziehen würden. Deshalb macht eine Diversifikation in andere Anleihensengagements, besonders in inflationsgeschützte Anleihen, Sinn. Innerhalb der Kreditsegmente ist es zu einer Rendite-Ausweitung von Investment Grade gegen Staatsanleihen gekommen, obwohl die Ausfallraten tief sind. Verwundbar erscheinen bei Wirtschaftsabschwächung aber eher Hochzinsanleihen von Firmen mit niedrigem Kredit-Rating.

Währungen
Der Euro zeigt gegenwärtig eine Seitwärtsbewegung innerhalb der Bandbreite von rund 1.15, dem Tiefstand von Ende Mai im Zusammenhang mit der Bildung der neuen Regierung in Italien, und 1.1850, dem Hoch von Mitte Juni. Angesichts der Sommerwochen könnte es zu erratischen Bewegungen innerhalb dieser Bandbreite kommen. Der US-Dollar könnte bei einer weiteren Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China oder anderen Ländern von Kapitalflüssen amerikanischer Anleger aus exportorientierten Regionen zurück in die USA, d. h. Repatriierungen, profitieren. Im EUR gegen CHF könnten die Bewegungen in einer Bandbreite zwischen etwa 1.14 und 1.18 weitergehen.

Rohstoffe
Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, dass wir uns in einer späten, aber noch nicht finalen Phase des globalen Wirtschaftszyklus befinden, zum Beispiel optimistische Geschäftsumfragen der Unternehmen oder die sehr positive Konsumentenstimmung in den USA und Europa. In solchen spätzyklischen Phasen werden historisch die Produktionskapazitäten in konjunkturell gut laufenden Ländern so stark ausgelastet, dass um der steigenden Nachfrage nachzukommen mehr Ressourcen, sowohl Arbeitskräfte als auch Rohstoffe, benötigt werden. 

Dies könnte auch diesmal Rohstoffpreise nach einer Zwischenkonsolidierung wieder steigen lassen. Dies unter Annahme, dass es nicht zu einer dramatischen Eskalation des Handelsstreits zum Handelskrieg kommt, welcher das globale Wirtschaftswachstum dramatisch reduziert. Rohstoffpreise und Gesamtinflation ziehen historisch in späten Phasen des Wirtschaftszyklus an. Mit Verzögerung steigt dann auch die Kerninflation (Inflation ohne Energie und Nahrungsmittel). Mit Engagements in Rohstoffen kann daher steigender Inflation begegnet werden.

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

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Diese Publikation ist nicht auf die Herbeiführung eines Vertragsschlusses gerichtet, sondern enthält lediglich Markt- und Anlagekommentare von Maerki Baumann & Co. AG sowie eine Einschätzung zu ausgewählten Finanzinstrumenten. Somit stellt diese Publikation weder eine Anlageberatung noch ein Angebot für den Erwerb oder Verkauf von Anlageinstrumenten dar. Maerki Baumann & Co. AG erbringt keine Rechts- oder Steuerberatung. Im Weiteren übernimmt Maerki Baumann & Co. AG keinerlei Haftung für den Inhalt dieses Dokuments und haftet insbesondere nicht für Verluste oder Schäden irgendwelcher Art, einschliesslich direkte, indirekte oder Folgeschäden, die aufgrund von in diesem Dokument enthaltenen Informationen und/oder infolge der den Finanzmärkten inhärenten Risiken entstehen.

Redaktionsschluss: 27. Juli 2018

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