Sommer-Schwankungen

Anlagepolitik, September 2018

Sommer-Schwankungen

In der letzten Ausgabe der Anlagepolitik betonten wir, dass die Finanzmärkte in den Sommermonaten durch weniger Volumen und oft erratische Bewegungen geprägt werden und, dass die Volatilität besonders in den Währungs- und Aktienmärkten ansteigen könnte. Zudem zeigten wir, wie es zu Kapitalflüssen Richtung USA kommen könnte.

So ist es in diesem August auch gekommen und die Volatilität der Aktienmärkte ist klar angestiegen. Dabei erhöhte sich die Aktienvolatilität der Schwellenländer und der USA um rund 35 %, jene der Eurozone seit dem Tiefstand vom Juli sogar um knapp 60 %. Dies ist ein Resultat von mehr Marktunsicherheiten angesichts der Türkei-Krise, vor allem aber auch ferienbedingt geringeren Marktvolumen. Die erhöhten Aktienvolatilitäten sind aber weit von den Volatilitätshochs der Marktkorrektur von Anfang Februar entfernt. Dies wohl auch, weil trotz mehr Unsicherheiten um die Türkei oder Italien die globale Wirtschaft robust bleibt und zudem die Kurs-Gewinn-Bewertung aller Aktienregionen klar günstiger als zu Jahresbeginn ist.

Aktien
Die Aktienmärkte konnten im August ihre Erholung vom Juli nicht fortsetzen – mit Ausnahme der USA. Ein wichtiger Grund für die fortgesetzte Überlegenheit des US-Aktienmarktes in diesem Jahr sind die Revisionen der Unternehmensgewinne. Während sich die 2018er-Gewinnschätzungen für die USA seit Jahresanfang um über 10 % nach oben erhöhten, wurden jene für die übrigen Aktienregionen nach unten revidiert.

Auch die Quartalsresultate zeigten eine klare Divergenz zwischen den USA und Europa. US-Firmen konnten die Gewinne gegenüber dem Vorjahr um rund 25 % steigern - und ohne Steuersenkungseffekt auch um über 10 %. Europäische Firmen konnten jeodoch nur 7 % höhere Gewinne erzielen. Schwellenländeraktien wurden von US-Präsident Trump wieder überrascht, der den Güterwert der gegen China angedrohten Strafzölle von 50 Mia. auf 250 Mia. US-Dollar erhöhte, was natürlich nicht das gleiche ist. Zudem hat die Türkei-Krise wegen des Engagements europäischer Banken (auch wenn dies nur 2 % von deren Kreditvolumen beträgt) die Aktien Europas und der Schwellenländer sowie den Euro belastet.

Obligationen
Die Türkei-Krise hat zu generell steigenden Kreditängsten geführt. In einer klassischen Reduktion des Risikoappetits wurden „sichere Häfen“ wie schweizerische und deutsche Staatsanleihen gesucht und Unternehmens- und Schwellenländeranleihen von der Mehrheit des Marktes verkauft. Dadurch stiegen deren Renditen relativ zu denen von Staatsanleihen an, weshalb eine sogenannte Kreditspread-Ausweitung resultierte.

Insgesamt ist weiter mit politischen Unsicherheiten zu rechnen, weshalb sich ein diversifizierter Anlagemix auszahlen dürfte.

Gérard Piasko, Chief Investment Officer

Die Türkei könnte ihre Situation aus eigenem Antrieb verbessern, durch eine vernünftigere Wirtschaftspolitik mit Zinserhöhungen zur Bekämpfung der mit 16 % zu hohen Inflation, einen politisch konzilianteren Kurs gegenüber den USA sowie eine Reduktion der zu hohen türkischen Unternehmensverschuldung.

Das Anlagekomitee diskutierte die verschiedenen Obligationenengagements. An einer diversifizierten Strategie wurde festgehalten, da die Alternative von CHF- und EUR-Obligationen nominell und erst recht inflationsbereinigt mittelfristig negative Renditen bringt. Engagements aufgeteilt auf inflationsgeschützte Anleihen, auf durationsneutrale Fonds, die in der Allokation flexibel und spezialisiert sind, sowie auf Corporate Hybrid Unternehmensanleihen können mittelfristig eine höhere Rendite erwirtschaften, was mit den um 0 % rentierenden EUR- und CHF-Anleihen kaum möglich ist.

Währungen
Zwei Dinge prägten in den letzten Wochen die Währungsmärkte. Erstens erhöhte sich wie so oft in den Sommermonaten die Marktvolatilität. Der Währungsvolatilitätsindex der neun global wichtigsten Währungspaare stieg um 20 %, was für Währungen sehr viel ist. Zweitens wurde im weltweit am meisten gehandelten Währungspaar, dem EUR/USD, mit 1.15 eine wichtige psychologische und charttechnische Unterstützung nach unten durchbrochen (wir haben auf deren Bedeutung hingewiesen). Ohne eine klare Verbesserung der europäischen Wirtschaftslage gegenüber der starken amerikanischen Wirtschaft ist es durchaus möglich, dass EUR gegen USD (und gegen Schweizer Franken) nach einer Konsolidierungsphase nochmals nach unten tendiert. Dies könnte erneut Kapitalflüsse Richtung USA auslösen. Für die von der Türkei-Krise und Trumps Eskalation des Handelsstreits unter Druck geratenen Schwellenländerwährungen werden die Verhandlungen zwischen den USA und China um Zölle und Technologiethemen wichtig.

Rohstoffe
Die erhöhten Drohungen von US-Präsident Trump gegenüber China, Strafzölle auf 250 Mia. und nicht nur 50 Mia. USD Güterwert zu erheben, haben die von der chinesischen Wirtschaft besonders abhängigen Metalle, vor allem Kupfer, belastet. Rohstoffe insgesamt sind historisch aber mehr vom Ölpreis abhängig. Dieser könnte sich in den nächsten Wochen in einer Bandbreite von rund 65-75 USD gemessen am West Texas Intermediate Öl bewegen, abhängig von der Lagerentwicklung, der Veränderung der OPEC- und US-Ölproduktion sowie der globalen Wirtschaft, die wichtiger Taktgeber für die Nachfrage bleibt.

Insgesamt ist weiter mit politischen Unsicherheiten zu rechnen, weshalb sich ein diversifizierter Anlagemix mit mehr USD-Orientierung auszahlen könnte. Innerhalb der Aktien haben wir weiterhin einen speziellen Fokus auf die USA, die übergewichtet bleiben. Zudem favorisieren wir nun auch US-Dollar bei den Geldmarktanlagen gegenüber Euro und Schweizer Franken, denn die Verzinsung wird laufend besser.

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

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Diese Publikation ist nicht auf die Herbeiführung eines Vertragsschlusses gerichtet, sondern enthält lediglich Markt- und Anlagekommentare von Maerki Baumann & Co. AG sowie eine Einschätzung zu ausgewählten Finanzinstrumenten. Somit stellt diese Publikation weder eine Anlageberatung noch ein Angebot für den Erwerb oder Verkauf von Anlageinstrumenten dar. Maerki Baumann & Co. AG erbringt keine Rechts- oder Steuerberatung. Im Weiteren übernimmt Maerki Baumann & Co. AG keinerlei Haftung für den Inhalt dieses Dokuments und haftet insbesondere nicht für Verluste oder Schäden irgendwelcher Art, einschliesslich direkte, indirekte oder Folgeschäden, die aufgrund von in diesem Dokument enthaltenen Informationen und/oder infolge der den Finanzmärkten inhärenten Risiken entstehen.

Redaktionsschluss: 27. August 2018

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