Bei anziehender Inflation mit Akzentmodulen inklusive Rohstoffen diversifizieren

Anlagepolitik, Juni 2018

Bei anziehender Inflation mit Akzentmodulen inklusive Rohstoffen diversifizieren

Mehrere Ereignisse zusammen können die Märkte überraschen. Diesmal sorgten zuerst die neuen Sanktionen der USA gegen den Iran, die den Ölpreis nach oben trieben, dann die höhere US-Inflation und schliesslich die für viele unerwartet schwachen Wirtschaftsdaten in Europa für eine überraschende Dollar-Stärke. Dies weil US-Zinsen gegenüber denen anderer Regionen klar anzogen. Diversifizieren mit verschiedenen Akzentmodulen, auch Rohstoffen, erscheint bei anziehender US-Inflation sinnvoll.

Die letzten Wochen waren an den Märkten von Überraschungen geprägt. Wie schon früher spielten die wichtigen geopolitischen Entwicklungen im Hintergrund eine entscheidende Rolle und wieder ging die Initiative vom oft unberechenbaren US-Präsidenten Trump aus. Die Entscheidung gegen den Rat Europas die Sanktionen gegen den Iran wiederaufzunehmen bzw. den sogenannten Nukleardeal zu beenden, sorgte für deutlich höhere Ölpreise.

Wir haben die Bedeutung der Geopolitik kürzlich in zwei Marktkommentaren betont und auf unser Rohstoffmodul als wichtige Ergänzung in einem diversifizierten Anlageportfolio hingewiesen – Rohstoffe wie Öl gehören dieses Jahr im Vergleich der Anlageklassen zu den Gewinnern.

Die zweite Überraschung war eine höher als erwartete US-Inflation, gerade im Vergleich zur weiter tiefer bleibenden Inflation der Eurozone. Die nächste Überraschung waren unerwartet schwache europäische Wirtschaftsdaten, besonders in Deutschland, wo das Bruttoinlandprodukt im Wachstum zum Vorjahr von 2.9 % klar auf nur 2.3 % zurückging. Gleichzeitig stiegen die US-Industrieproduktion und andere US-Konjunkturdaten mehr als erwartet an. Alle diese Faktoren zusammen führten zu höheren US-Zinsen im Vergleich zur Zinsen der Eurozone, was einen deutlichen Anstieg des US-Dollars, gegen alle – Euro, Yen, Schwellenländerwährungen und auch Schweizer Franken – auslöste.

Aktien
Die Resultate der US-Unternehmen zeigten für das erste Quartal ein etwas besser als erwartetes Gewinnwachstum von rund 22 % zum Vorjahr, wovon etwa 10 % von den Steuersenkungen stammen, die Präsident Trump Ende 2017 durchgesetzt hat. Gut war, dass mit rund 78 % aller Firmen historisch überdurchschnittlich viele Unternehmen die Erwartungen schlugen, was amerikanischen und globalen Aktien Unterstützung gibt.

Für die Aktien der Eurozone war das Gewinnwachstum im ersten Quartal aufgrund der Eurostärke nicht so gut wie in den USA. Weil aber der Euro zum US Dollar in den letzten sieben Wochen rund 7 % verlor, konnten sich die Aktien der Eurozone gegenüber amerikanischen Aktien zuerst wieder erholen bevor die italienische Regierungskrise einsetzte. Für weitere Avancen benötigen sie nun entweder eine Verbesserung der politischen Situation in Italien oder aber wieder stärkere Konjunkturdaten, die letzthin ja eher weniger gut ausfielen.

«Die jüngsten Währungsveränderungen erhöhen die Volatilität aller Anlageklassen.»

Gérard Piasko, Chief Investment Officer

Obligationen
Die US-Inflation basierend auf der von der US-Zentralbank bevorzugten PCE-Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel ist seit Jahresbeginn klar von 1.5 % auf nun 1.9 % angestiegen. Gleichzeitig nehmen durch die Wiederaufnahme der US-Sanktionen gegen den Iran die Unsicherheiten betreffend Angebotsengpässen in Öl zu und dies in einem schon bestehenden Ölaufwärtstrend. Daher steigen die Inflationsrisiken vor allem in den USA (wo der Benzinpreis viel direkter auf Ölpreiserhöhung reagiert als in Europa wegen geringerem Steueranteil am Benzinpreis).
Der Durchbruch der 10-jährigen US-Treasury-Rendite über 3 % signalisiert für die nächsten Monate wohl mehr Risiken, in erster Linie für US-Anleihen, aber auch für die übrigen Finanzmärkte. Ein höherer US-Dollar könnte mittelfristig auch die noch niedrigere europäische Inflation erhöhen.

Währungen
Der Euro hat zum US-Dollar den psychologisch-technischen Widerstand bei 1.25/1.26, den es zu überwinden galt, nicht geschafft. Im Gegenteil, höhere US-Inflations- und Zinserwartungen im Gefolge weiter steigender Ölpreise haben zu einem Durchbruch des bisher bestehenden Euro-Aufwärtstrends geführt. Gegenüber dem Schweizer Franken war der Rückgang des Euro geringer, aber auch spürbar, während der US Dollar zum Schweizer Franken im mittelfristigen Trading Range 0.92 - 1.02 sich wieder nach oben bewegte. Wir gehen für die nächsten Wochen von weiter hoher Volatilität an den Währungsmärkten aus, was auch anderen Märkten Volatilität bringen dürfte.

Rohstoffe
Der Ölpreis wird unterstützt von der Unsicherheit betreffend Iran und Venezuela und sinkenden Lagerbeständen. Venezuelas Ölproduktion ist inzwischen um über 35 % gefallen, das Risiko für die iranische Ölproduktion liegt aktuell bei einem Rückgang von vielleicht 20-50 %. Das bedeutet, dass entweder Saudi-Arabien seine Produktion wieder Richtung Rekordstand von 2016 hinauffahren oder aber die USA ihre Produktion drastisch erhöhen müssten, um die Balance zwischen steigender Nachfrage und unsicherem Angebot wieder zu bereinigen. Andere Rohstoffe befinden sich übrigens inzwischen ebenfalls in Aufwärtstrends, insgesamt sind Rohstoffe im bisherigen Jahresverlauf nun sogar daran die beste Anlageklasse zu werden. In einem Umfeld anziehender Inflation macht es daher Sinn, Rohstoffe als zusätzlichen Akzent in einem Portfolio zu berücksichtigen.

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

Modular anlegen mit Maerki Baumann

Die hervorgehobenen Akzentmodule erlauben es Ihnen, die erwähnten Themen in Ihrem Portfolio abzubilden:

Aktien Schweiz Aktien USA
Nebenwerte Schweiz Aktien Schwellenländer
Aktien Eurozone Aktien Global
Aktien Deutschland  
Obligationen CHF Global Ausgewogen
Obligationen EUR Rohstoffe
Obligationen USD  
Obligationen Schwellenländer  

Wichtige rechtliche Hinweise:

Diese Publikation ist nicht auf die Herbeiführung eines Vertragsschlusses gerichtet, sondern enthält lediglich Markt- und Anlagekommentare von Maerki Baumann & Co. AG sowie eine Einschätzung zu ausgewählten Finanzinstrumenten. Somit stellt diese Publikation weder eine Anlageberatung noch ein Angebot für den Erwerb oder Verkauf von Anlageinstrumenten dar. Maerki Baumann & Co. AG erbringt keine Rechts- oder Steuerberatung. Im Weiteren übernimmt Maerki Baumann & Co. AG keinerlei Haftung für den Inhalt dieses Dokuments und haftet insbesondere nicht für Verluste oder Schäden irgendwelcher Art, einschliesslich direkte, indirekte oder Folgeschäden, die aufgrund von in diesem Dokument enthaltenen Informationen und/oder infolge der den Finanzmärkten inhärenten Risiken entstehen.

Redaktionsschluss: 29. Mai 2018

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