Kapitalfluss-Bewegungen

Anlagepolitik, Juli 2018

Kapitalfluss-Bewegungen

Die wichtigsten Faktoren zum generellen Marktumfeld kamen in den letzten Wochen nicht nur von den USA oder China, sondern auch von Europa. Zuerst sorgte die neue italienische Regierung für Turbulenzen. Die Pläne der populistischen Regierung Italiens – auch wenn sie nicht aus dem Euro austreten will – gehen auf eine Konfrontation zur übrigen EU, da die Umsetzung der Steuersenkungen und Rückgängigmachung der Pensionsreform Italiens Budgetdefizit wieder auf das hohe Niveau der Euro-Krise von 2010/2011 bringen könnte.

Zusätzlich belastet derzeit eine Schwächephase der europäischen Wirtschaft den Euro bzw. stärkt den Dollar. Als Beispiel zeigt das Konsumwachstum im Einzelhandel in den USA +5.9 % zum Vorjahr, in der Eurozone aber nur +1.7 %. Vor einem Jahr war das Wachstum in beiden Regionen rund 3 %. Auch das Wachstum der Industrieproduktion ist in der Eurozone von +5.1 % auf noch +1.7 % zum Vorjahr zurückgegangen. All dies belastet den Euro und stärkt den US Dollar. Wird der US Dollar aber stärker gegen Euro, wird er historisch oft auch stärker gegen andere Währungen wie japanischer Yen, brasilianischer Real, russischer Rubel oder Schweizer Franken, denn im handelsgewichteten Dollar hat der Euro den mit Abstand höchsten Anteil, was die Nachfrage nach US-Dollar bestimmt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) trug anlässlich ihrer Sitzung vom 14. Juni zusätzlich zur Stärkung des US Dollars bzw. Schwächung des Euro bei – vielleicht auch um die europäische Wirtschaft zu unterstützen. Als die EZB am 14. Juni die EZB-Prognose für das Bruttoinlandprodukt der Eurozone 2018 von bisher +2.4 auf +2.1 % reduzierte und damit nun ein schwächeres Wirtschaftswachstum prognostiziert als der allgemeine Marktkonsens, fiel der Euro innert Stunden um fast 2 %. Höhere Währungsvolatilität bedeutet oft auch höhere Aktienvolatilität, wie historische Vergleiche zeigen, da die Unsicherheiten um globale Kapitalflüsse zunehmen.

Aktien

Die US-Unternehmensgewinne werden derzeit von kräftigem Wachstum der Technologie, starkem US-Binnenkonsum und Steuersenkungen gestützt, während in der Eurozone und den Schwellenländern mehr politische Unsicherheiten aufkommen: Budgetpläne der italienischen Regierung, nahende Wahlen in Mexiko im Juli und in Brasilien im Oktober, wo der rechtspopulistische Kandidat nach dem Lastwagenfahrerstreik an Beliebtheit gewinnt. Wir gehen davon aus, dass in politisch unsichereren Phasen, auch bei einem stärker eskalierenden Handelsstreit der USA gegen China und Europa, angelsächsische Investoren generell den weniger exportsensitiven US-Aktienmarkt bevorzugen, der von seinem grossen inländischen Konsummarkt profitiert. Derzeit unterstützen die internationalen Kapitalflüsse, begründet durch Währungsvolatilitäten, US-Aktien mehr als die Aktien anderer Regionen, auch der Schwellenländer. Der Handelsstreit belastet Aktien aber allgemein wieder stärker.

«Internationale Kapitalflüsse stützen derzeit US-Aktien mehr als andere Regionen.»

Gérard Piasko, Chief Investment Officer

Obligationen

Die als Leitmass der globalen Obligationenmärkte wichtigen 10-Jahresrenditen von US-Staatsanleihen folgen dieses Jahr den Inflationserwartungen, die über die Swapmärkte ermittelt werden. Diese wiederum zeigen

nun eine enge Korrelation zu den Ölpreisen. Wir gehen davon aus, dass gerade in den Sommermonaten, die wegen den Ferien als Autofahrsaison gelten, die Bedeutung des Öls für die von den Zentralbanken genau verfolgte Inflation weiter steigt. Für europäische Obligationen ist auch das Auslaufen der EZB-Anleihenskäufe 2018 wichtig. Gerade Unternehmensanleihen, die von der EZB mit 5 Mia. Euro Käufe pro Monat unterstützt wurden, aber auch Regierungsobligationen mit niedriger Rendite, werden verwundbarer.

Währungen
Der Euro hat seinen klaren Aufwärtstrend zum US-Dollar, wie in der letzten Anlagepolitik beschrieben, beendet. Die verschiedenen Gründe dafür sind im oberen Abschnitt beschrieben. Für eine Wiederaufnahme des EUR/USD-Aufwärtstrends wäre eine Kombination von schwächer als erwarteten US-Konjunktur und gleichzeitig stärker werdender Wirtschaft der Eurozone nötig. Unterhalb von rund 1.15 zeigt sich erst bei 1.12-1.10 klare technische Unterstützung. Für den Dollar gegen Schweizer Franken bleibt abzuwarten, ob die mehrjährige Bandbreite von rund 0.93-1.03 nach oben durchbrochen werden kann. Sollte dies gelingen, wären weitere 3-6 % Gewinne denkbar.

Rohstoffe
Für den Ölpreis wird der Ausgang der Konferenz der erdölexportierenden Staaten (OPEC) entscheidend. Sollte die Produktion wie von den USA gewünscht erhöht werden, könnte eine Konsolidierung der im bisherigen Jahresverlauf erzielten Gewinne einsetzen Richtung 60-55 USD (West Texas Intermediate-Öl, WTI). Gelingt es der Produktionserhöhung der OPEC nicht Produktionsausfälle von Venezuela und Iran (wegen den US-Sanktionen) zu kompensieren, würde hingegen der Aufwärtstrend des Ölpreises Richtung 70-75 USD WTI verstärkt werden, was global zu einem weiteren Anstieg der Inflation führen würde. Dagegen könnte der Einsatz von Rohstoffanlagen, zum Beispiel durch ein Rohstoffmodul, helfen.

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

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Redaktionsschluss: 22. Juni 2018

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