Protektionistische Risiken nehmen zu

Anlagepolitik, April 2018

Anlagepolitik

Das weltwirtschaftliche Umfeld zeigt Wachstum, doch die Konjunkturdaten Europas sind nun weniger robust. Protektionistische Risiken nehmen zu und können die exportorientierten Aktienmärkte Europas belasten. Dax und Eurostoxx 50 haben den Aufwärtstrend von 2016 nach unten durchbrochen. Eine vorsichtigere Anlagepolitik mit etwas weniger Aktien erscheint nun sinnvoll. Gold und Obligationen ergänzen ein Portfolio bei Aktien-Turbulenzen. Diversifizieren über verschiedene Anlageklassen/Akzentmodule bleibt 2018 sehr wichtig.

Der jüngste US-Arbeitsmarktreport zeigt mit +313'000 neugeschaffenen Stellen ausserhalb der Landwirtschaft eine robuste Beschäftigungssituation. Dies wird den USKonsum, der für rund 70 % des US-Bruttoinlandprodukts verantwortlich ist, unterstützen. In den USA stieg auch die Industrieproduktion stärker, von 3.5 % auf 4.4 % zum Vorjahr. In Europa, gerade auch in Deutschland, nimmt hingegen die wirtschaftliche Dynamik etwas ab. Der IFOIndex der Geschäftserwartungen der Unternehmen ging im Februar von 108.3 auf 105.4 deutlich zurück. Auch das Wachstum der deutschen Industrieproduktion zum Vorjahr reduzierte sich von 6.4 % auf 5.5 %. Angesichts des steigenden Euro nimmt die Dynamik der besonders exportorientierten deutschen Wirtschaft und des deutschen Aktienmarktes ab. In China jedoch bleibt der Wirtschaftsvorlaufindikator der Einkaufsmanager mit 51.5 weiter im Wachstumsbereich. Zudem zeigte die Industrieproduktion in China sogar besseres Wachstum zum Vorjahr mit +7.2 % in den ersten beiden Monaten 2018 verglichen mit den +6.2 % von 2017.

Aktien
Die Volatilität in den Aktienmärkten dürfte angesichts protektionistischer Massnahmen der USA noch nicht vorüber sein. Da im Aktienindex der Eurozone die Mehrheit der Umsatzeinnahmen von ausserhalb der Eurozone stammt, sind Europa und gerade der besonders exportorientierte DAX verwundbarer betreffend zunehmenden protektionistischen Risiken von Handelseinschränkungen als andere Märkte. Im Falle eines global eskalierenden Handelsstreites erscheinen die vom Export abhängigen Länder wie Deutschland, die Niederlande, partiell auch die Schweiz, klar mehr gefährdet als die USA oder China (Exportanteil am BIP in China nur rund 20 %, in Deutschland aber rund 50 %). Unser Hauptszenario geht derzeit nicht vom «Worst case» eines eskalierenden Handelskrieges aus, doch die Risiken nehmen nun zu. Die USA, die vor allem im Ausland produzierte Konsumelektronik und Telekommunikation importieren, würden sich aber angesichts der heutzutage global vernetzten Wertschöpfungs- und Lieferketten letztlich selber schaden. Markttechnisch zeigen Eurostoxx50 und Dax eine Verschlechterung: Der Aufwärtstrend von 2016 ist nach unten durchbrochen worden, ebenso der 200-Tage-Durchschnitt

«Diversifikation über verschiedene Anlageklassen/Akzentmodule bleibt wichtig»

Gérard Piasko, Chief Investment Officer

Obligationen
Einerseits dürften Handelsbeschränkungen wie Einfuhrzölle tendenziell die Konjunktur belasten, sofern die Firmen die Preiserhöhungen an die Konsumenten weitergeben können, was heutzutage jedoch nicht mehr sicher ist. Andererseits könnten Preiserhöhungen die US-Inflation über höhere Importpreise anheben, besonders solange der US Dollar schwach bleibt. Netto wäre daher das «Worst case» Szenario eines voll eskalierten Handelskrieges für Obligationen nicht eindeutig. Staatsanleihen sollten aber wohl besser halten als risikoreichere amerikanische oder europäische Hochzinsanleihen.

Neue US-Daten haben etwas Entspannung in die Inflationsdiskussion gebracht. Das Lohnwachstum reduzierte sich von 2.9 % auf 2.6 % und die Kerninflation blieb mit leichter Tendenz nach oben auf dem gleichen Niveau wie im Vormonat.

In einer volatileren Finanzmarktphase haben Obligationen mit Investment Grade Qualität durchaus einen Platz in Kundenportfolios. Sie dienen nämlich der wichtigen Diversifikation in turbulenten Phasen der Aktienmärkte.

Währungen
Der US-Dollar befindet sich seit Januar dieses Jahres wieder im Abwärtstrend gegenüber dem Schweizer Franken. Damit setzt der US Dollar seine Abwärtstendenz, die bereits Anfang 2017 begonnen hat, fort. Diese Abwärtstendenz gilt nicht nur gegenüber dem Schweizer Franken, sondern generell gegenüber allen wichtigen Währungen wie auch Euro und Yen. Die vom US-Kongress vor einigen Wochen beschlossene Ausweitung der Staatsausgaben dürfte das US-Budgetdefizit von gegenwärtig rund 3.4 % bis 2019 auf etwa 5.4 % erhöhen, was den Dollar fundamental erneut schwächen könnte.

Rohstoffe
Innerhalb der Rohstoffe spricht einiges für Gold. Während sich eine nach oben normalisierende Inflation oft für verschiedene Rohstoffe als stützend erwies, helfen geopolitische Risiken, die mit mehr Protektionismus nun zunehmen, in der Regel Gold. Dies gilt gerade in Phasen eines schwächeren US Dollars, der historisch oft mit steigenden Goldpreisen einherging. Industriemetalle und Öl werden in den kommenden Wochen und Monaten wieder von der Angebotsseite beeinflusst werden. Dem Anstieg der US-Ölproduktion wird spezielle Aufmerksamkeit gelten. Insgesamt sprechen weitere Marktturbulenzen vor allem für eine breite Diversifikation über verschiedene Anlageklassen und Akzentmodule, wobei auch Obligationen und Gold einen wichtigen Platz im gesamten Anlageportfolio haben.

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

Modular anlegen mit Maerki Baumann

Die hervorgehobenen Akzentmodule erlauben es Ihnen, die erwähnten Themen in Ihrem Portfolio abzubilden:

Aktien Schweiz Aktien USA
Nebenwerte Schweiz Aktien Schwellenländer
Aktien Eurozone Aktien Global
Aktien Deutschland  
Obligationen CHF Global Ausgewogen
Obligationen EUR Rohstoffe
Obligationen USD  
Obligationen Schwellenländer  

 

 

Wichtige rechtliche Hinweise:

Diese Publikation ist nicht auf die Herbeiführung eines Vertragsschlusses gerichtet, sondern enthält lediglich Markt- und Anlagekommentare von Maerki Baumann & Co. AG sowie eine Einschätzung zu ausgewählten Finanzinstrumenten. Somit stellt diese Publikation weder eine Anlageberatung noch ein Angebot für den Erwerb oder Verkauf von Anlageinstrumenten dar. Maerki Baumann & Co. AG erbringt keine Rechts- oder Steuerberatung. Im Weiteren übernimmt Maerki Baumann & Co. AG keinerlei Haftung für den Inhalt dieses Dokuments und haftet insbesondere nicht für Verluste oder Schäden irgendwelcher Art, einschliesslich direkte, indirekte oder Folgeschäden, die aufgrund von in diesem Dokument enthaltenen Informationen und/oder infolge der den Finanzmärkten inhärenten Risiken entstehen.

Redaktionsschluss: 22. März 2018

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