Signale einer Stabilisierung

Anlagepolitik, Januar 2020

Signale einer Stabilisierung

Die nun stärkere Liquiditätsversorgung der Finanzmärkte durch die Zentralbanken hilft den Finanzmärkten, besonders Aktien. Die vor einigen Wochen wiederaufgenommene quantitative Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank unterstützt die bisherigen globalen Zinssenkungen und sollte das europäische Wirtschaftswachstum stimulieren. Erste Signale einer Stabilisierung sind in der europäischen Konjunkturdynamik auszumachen. Diese Signale kommen aus den verarbeitenden Bereichen ähnlich wie in anderen Regionen. Für den Konsum in Europa, den Schwellenländern und den USA bleibt die Entwicklung der Beschäftigung von besonderer Bedeutung. Der zuletzt besser als erwartete US-Arbeitsmarktbericht wirkt dabei positiv. Europa dürfte als konjunktursensitive Region von einer fortgesetzten Stabilisierung der politischen und wirtschaftlichen Dynamik profitieren.

Die Lage der Weltwirtschaft präsentiert sich zum Jahreswechsel nicht vollständig klar. Positiv sind verschiedene Anzeichen für eine Stabilisierung des Teils der globalen Konjunktur, welcher in den letzten Quartalen durch Schwäche aufgefallen war, also der globalen Industrieaktivität. Diese ist besonders für die weitere Entwicklung Europas von Bedeutung. Eher gemischt sind derzeit die Signale aus dem globalen Dienstleistungssektor und teilweise beim Konsum. Die amerikanische Konjunktur zeigt sich zurzeit uneinheitlich: Sie wird zurzeit auch durch einige Spezialfaktoren verzerrt wie die Auswirkungen des jüngsten Streiks bei General Motors. Insgesamt überwiegen aber global doch Signale für eine Stabilisierung, welche in den Schwellenländern und nun langsam auch in Europa in dem für diese Regionen besonders wichtigen industriellen Teil der Wirtschaft sichtbar werden.

Aktien
Eine stärkere Liquiditätsversorgung durch die Zentralbanken ist immer ein positiver Faktor für Aktienmärkte und hat in den letzten Monaten durch globale Zinssenkungen zugenommen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die im November wieder begonnene quantitative geldpolitische Lockerung (das sogenannte quantitative «Easing») der Europäischen Zentralbank durch eine massive Reduktion der langfristigen Zinsen mittels neuer Obligationenkäufe. Während wir die Hoffnung der Europäischen Zentralbank, dass dadurch die Inflation nahe an das Ziel von 2 % gebracht wird, nicht teilen, sehen wir aber Anzeichen, dass dadurch die europäische Wirtschaft nach einer Bodenbildung wieder etwas besser wird. Dahin deuten die Signale einer Stabilisierung aus verschiedenen Ländern auch wenn diese noch nicht konklusiv sind. Die tiefere Basis der Konjunkturaktivität, die im 4. Quartal 2018 und im 1. Quartal 2019 zu beobachten war, ergibt einen sogenannten Basiseffekt. Das bedeutet, dass speziell in Europa im Vergleich zum Vorjahr langsam bessere Wirtschaftsdaten wahrscheinlicher werden. Zudem zeigt die aktuelle Unterbewertung europäischer Aktien im Vergleich zum Weltaktienindex, dass immer noch eine Risikoprämie vorhanden ist bzw. ein Bewertungsabschlag vom Marktkonsens eingepreist wird.

Europäische Aktien sollten von einer fortgesetzten wirtschaftlichen Stabilisierung stimuliert werden.

Gérard Piasko, Chief Investment Officer 

Obligationen
Die Anleihenmärkte tendierten in den letzten Wochen mehrheitlich seitwärts, speziell Unternehmensanleihen. Leicht anziehende Inflationserwartungen bei einer Stabilisierung der globalen Konjunkturentwicklung würden eher Regierungsobligationen treffen als Unternehmensanleihen. Im Falle eines generellen Rückgangs des Risikoappetits der Investoren dürften Hochzins- bzw. «High Yield»-Anleihen mehr leiden als die übrigen Sektoren. Wir bleiben daher bei einer Favorisierung von Unternehmensanleihen mit Investment Grade Kreditrating. In den kommenden Wochen werden die Obligationenmärkte auf neue Informationen betreffend Handelsabkommen USA-China sowie neuen Inflationsdaten sensitiv reagieren, speziell Regierungsobligationen. Die nur gering erwartete Angebotsausweitung wirkt tendenziell positiv für alle Anleihensegmente.

Währungen
Global beobachten wir seit einiger Zeit eine sinkende Volatilität bei vielen Währungspaaren, sowohl bei der realisierten wie auch bei der in den Optionsmärkten impliziten bzw. vom Markt antizipierten Volatilität. Dies zeigt sich auch in einer engeren Bandbreite im Euro gegenüber dem Schweizer Franken und dem US-Dollar. Wegen der zu erwartenden sinkenden Marktvolumen angesichts der nahenden Feiertage würde es uns aber nicht überraschen, wenn die Volatilität der Währungen ansteigen würde, da sie nahe historischen Tiefpunkten angelangt ist. Dies sollte zu generell weiteren Bandbreiten führen. Im Euro gegenüber dem US-Dollar wäre dies etwa 1.09- 1.14, wobei bei weiterer Stabilisierung von europäischen Konjunkturdaten eine Aufwärtsbewegung durch die seit einiger Zeit beobachtbare Bodenbildung wahrscheinlicher wird. Dies könnte die seit Jahren anhaltende Stärke- Phase des US-Dollar reduzieren, falls die Wachstumsdifferenz im kommenden Jahr dann weniger Kapitalflüsse in die US-Währung lenkt. Der US-Dollar zum Schweizer Franken würde in diesem Fall innerhalb seines mehrmonatigen Seitwärtskanals an Stärke verlieren.

Rohstoffe
Die wichtigsten Rohstoffe bewegen sich in jüngster Zeit ebenfalls weniger als früher. Im WTI-Rohöl hat die bisherige Bandbreite von rund USD 50-60 pro Fass gehalten, zudem sank die Volatilität ebenfalls deutlich. Die letzten Entscheidungen der Organisation erdölexportierenden Staaten (OPEC) betreffend Ölproduktion sind eine Weiterführung der bisherigen Angebotspolitik. Wichtiger könnten in den kommenden Monaten für Öl die weitere Entwicklung der US-Ölproduktion werden. Im Gold, das lange von sinkenden Realzinsen unterstützt wurde, zeigte sich jüngst eine Korrektur. Ob diese beendet ist, hängt von neuen Entwicklungen im Handelskonflikt zwischen den USA und China ab. Noch sensitiver betreffend dem Verlauf der Gespräche zu einem Handelsabkommen sind Industriemetalle wegen dem hohen Anteil Chinas an der Gesamtnachfrage. Während Gold in der Bandbreite von etwa USD 1ʼ430-1ʼ530 volatiler werden könnte, dürften mehr konjunkturabhängige Rohstoffe wie Rohöl oder Industriemetalle bei positiven Neuigkeiten zum Handelsabkommen USA-China profitieren. Da aber die Entwicklung im Handelskonflikt – wie seit Monaten gesehen – sehr unberechenbar ist, bleiben wir in Rohstoffen derzeit neutral gewichtet.

Gérard Piasko

Gérard Piasko

Gérard Piasko leitet als CIO das Anlagekomitee der Privatbank Maerki Baumann & Co. AG. Zuvor war er über viele Jahre CIO bei Julius Baer, bei Sal. Oppenheim und bei der Deutschen Bank.

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Redaktionsschluss: 20. Dezember 2019

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